Liebe Kolleginnen und Kollegen,
ich bin nach 40 Jahren Personalleitung jetzt selbst im Ruhestand, beschäftige mich aber weiterhin intensiv mit betrieblichen Krankenversicherungen. Eine Frage, die mich schon lange umtreibt:
Wir haben in meiner früheren Firma eine bKV mit Budgettarifen eingeführt – primär zur Mitarbeiterbindung. Aber wie misst man das wirklich? Wenn ein langjähriger Mitarbeiter trotzdem geht, war die bKV dann wirkungslos? Oder zeigt sich der Bindungseffekt eher in den Mitarbeitern, die *nicht* gehen?
Ich erlebe in meinem Bekanntenkreis immer wieder, dass Arbeitgeber die bKV als Bindungstool nutzen möchten, aber die Erfolgsmessung bleibt vage. Manche zählen nur die Fluktuation, andere schauen auf Mitarbeiterzufriedenheit. Aber welche Kennziffern sind wirklich aussagekräftig?
Wie geht ihr da vor? Vergleicht ihr die Fluktuationsrate *vor* und *nach* Einführung? Habt ihr spezifische Zielgruppen im Blick (junge Leute, Fachkräfte)? Und wie berücksichtigt ihr externe Marktfaktoren?
Freue mich auf eure Erfahrungen!
Hans, eine sehr berechtigte Frage. Ich habe das in meiner Zeit selbst erlebt: Die bloße Fluktuationsquote ist tatsächlich zu simpel. Was ich hilfreich fand, war eine differenzierte Betrachtung – nicht nur *ob* Mitarbeiter gehen, sondern *welche*. Gehen vor allem junge Leute oder eher die etablierten? Verschwinden gezielt die High Potentials oder die weniger kritischen Positionen?
Zusätzlich: Das Kündigungsgespräch! Wir haben systematisch abgefragt, ob die bKV ein Grund *gegen* den Weggang war. Das lässt sich natürlich auch nachträglich mit ausgetretenen Mitarbeitern klären.
Mein Eindruck: Die Bindungswirkung zeigt sich weniger dramatisch, eher unterschwellig. Es ist das Gefühl, dass der Arbeitgeber sich kümmert. Das verhindert nicht jeden Abgang, aber viele – vor allem bei jenen, die sonst eher zögerlich sind.
Gute Punkte, die Horst da nennt. Aus meiner Perspektive als HR-Leiter in unserem Mittelständler: Wir messen tatsächlich mehrschichtig. Zunächst die Quote, aber differenziert nach Bereich und Betriebszugehörigkeit. Spannender ist aber die Kennzahl "Kündigungen in den ersten 6 Monaten nach bKV-Einführung" vs. "Kündigungen im 2./3. Jahr". Bei uns zeigte sich da deutlich ein Unterschied.
Dazu kommt: Exit-Interviews sind Gold wert. Und im Gegenzug die Mitarbeiterbefragung – wie viele sagen, dass die bKV für sie ein Grund ist zu bleiben? Das ist subjektiv, aber wenn 60-70% das bestätigen, ist das aussagekräftig.
Unser größter Learning: bKV wirkt nur, wenn sie auch kommuniziert wird. Ohne regelmäßige Erinnerung an die Leistung verpufft der Effekt schnell.