Hallo zusammen,
ich bin gerade dabei, für unseren Mittelständler die bKV neu zu strukturieren – und ehrlich gesagt stelle ich mir die Frage, ob wir die Bindungswirkung überhaupt richtig greifen. Wir haben seit drei Jahren einen Budgettarif mit 800 Euro pro Jahr pro Kopf, und natürlich freuen sich die Leute drüber. Aber ich sehe einfach nicht klar, ob das wirklich der entscheidende Faktor ist, wenn jemand geht oder bleibt.
Wie messt ihr das konkret? Geht ihr in Kündigungs- oder Austrittsgesprächen explizit auf die bKV ein? Oder fragt ihr bei Neueinstellungen nach, wie wichtig das Benefit bei der Entscheidung war? Ich will nicht in die Falle tappen, dass wir die Budgets hochfahren, weil wir meinen, das bindet – wenn in Wahrheit ganz andere Faktoren entscheidend sind.
Mir interessiert auch: Habt ihr konkrete Kennziffern, an denen ihr seht, dass eine bKV tatsächlich wirkt? Oder ist das eher ein Soft-Faktor, den man nur schwer isolieren kann?
Danke für eure Einschätzungen – gerade im August, wenn viele ohnehin übers Jobwechseln nachdenken.
Wolfram
Wolfram, sehr gute Frage – das treibt mich auch um. Aus meiner Erfahrung als Personalleiter kann ich dir sagen: Die direkte Abfrage funktioniert besser als man denkt. Ich frage bei Austritten gezielt nach, welche Faktoren entscheidend waren – und überraschenderweise nennen viele die bKV tatsächlich als einen wichtigen Punkt, nicht als den einzigen, aber als Stütze im Gesamtpaket.
Was ich gemacht habe: Wir haben eine kleine Kennziffer eingeführt – Quote der Mitarbeiter, die ihr Budget pro Jahr tatsächlich nutzen. Bei uns sind es inzwischen 72%, und die Quote korreliert auffällig mit einer stabilen Fluktuation. Die Leute, die das Benefit nutzen, gehen seltener.
Aber ehrlich: Es ist kein isolierter Faktor. Es wirkt im Zusammenspiel mit Führung, Gehalt und Arbeitsklima. Die bKV ist eher ein Signal – "wir investieren in dich" – als ein alleinstehender Anker. Mein Tipp: Kombiniert die bKV mit regelmäßigem Feedback zu ihrer Nutzung. Das schafft Bewusstsein und verstärkt die Bindung messbar.
Markus hier – ich befasse mich gerade auch damit, welche Leistungen tatsächlich ankommen. Meine Erfahrung ist ehrlich gesagt gemischter. Wir haben Budgets erhöht und gesehen... nicht viel. Deshalb bin ich zum Gegenfragen-Modell übergegangen: Statt zu raten, was bindet, fragen wir die Teams direkt, welche Leistungen ihnen fehlen. Das hat mehr gebracht als die Budgetmenge. Vielleicht liegt das Problem gar nicht in der Höhe, sondern darin, welche Leistungen angeboten werden?