Liebe Kolleginnen und Kollegen,
nach 18 Jahren in der Personalleitung stelle ich mir immer wieder die gleiche Frage: Wie wirtschaftlich ist eine bKV wirklich, wenn gerade diejenigen Mitarbeiter gehen, in deren Gesundheit wir investiert haben?
Wir haben vor zwei Jahren auf einen Budgettarif umgestellt – 2.000 EUR pro Kopf jährlich, überwiegend für Zahnersatz, Sehhilfen und Vorsorge. Die Mitarbeiterzufriedenheit ist gestiegen, das sehe ich deutlich. Aber: In den letzten 18 Monaten sind fünf erfahrene Fachkräfte gegangen – teils zu Wettbewerbern, teils in die Selbstständigkeit. Wir hatten jeweils schon 800–1.200 EUR pro Person in ihre Leistungen investiert.
Meine Frage: Wie kalibriert man das richtig? Lohnt sich bKV überhaupt als Bindungsinstrument, wenn die durchschnittliche Verweildauer ohnehin unter 5 Jahren liegt? Oder nutzen wir die falschen Schwerpunkte bei den Leistungen?
Welche Erfahrungen habt ihr mit Kündigungen und bKV-Investitionen gemacht? Gibt es Tarife, die weniger anfällig für diesen ‚Verlustverschärfungseffekt' sind?
Da stimme ich Rolf zu. In meinen Jahrzehnten in der Personalverwaltung habe ich gesehen: bKV wirkt nicht isoliert. Es braucht ein Gesamtpaket – fairer Lohn, gutes Klima, Aufstiegschancen. Aber wer weggehen will, geht. Wer bleiben könnte und zweifelt, für den ist gute bKV oft der Zündfunke zu bleiben.
Starker Punkt, Klaus. Ich würde aber widersprechen: Fluktuation hat fast immer andere Gründe – Führung, Entwicklung, Gehalt. bKV ist kein Retention-Tool, sondern ein Hygiene- und Attraktivitätsfaktor. Der ROI-Gedanke ist richtig, aber misst das Falsche. Besser: bKV senkt die Quote der *vermeidbaren* Kündigungen um vielleicht 5–10 %, statt sie zu brechen. Bei 50 Mitarbeitern und 15% Fluktuation = 2–3 Personen weniger weg pro Jahr. Das rechnet sich schnell. Aber nur, wenn die Rahmenbedingungen sonst stimmen.
Klaus, das ist eine berechtigte Frage. Ich habe das ähnlich erlebt: bKV ist kein Wundermittel gegen Fluktuation, aber ein wichtiger Baustein. Meine Erfahrung zeigt – es kommt darauf an, *wann* man investiert. Nicht jeden ins Budget von Tag 1, sondern gezielt bei Leistungsträgern nach der Probezeit. Das senkt den Verlust psychologisch und faktisch. Auch wichtig: Die bKV transparent machen, nicht als stille Leistung. Mitarbeiter, die wissen, was ihnen zuteil wird, gehen weniger schnell.